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Allzeit gute Fahrt wünscht der Bürgerbusverein seinem neuen Fahrzeug. Schriftführerin Beate Burow hat neben Fahrer Werner Henke auf dem Beifahrersitz Platz genommen, hinten stehen und sitzen (v.l.): Vorsitzender Manfred Harländer und die Fahrer Hans Schilling und Bernhard Kark. Foto: Nicole Rochell
Aller guten Dinge sind drei, so heißt es. Beim Bürgerbus Fehmarn e. V. sind‘s zwei. Beate Burow hatte es noch einmal geschafft, zum zweiten Mal hatte die Schriftführerin des Bürgerbusvereins und Geschäftsführerin des Umweltrates Fehmarn einen Zuschuss für einen neuen Bus an Land ziehen können. Normalerweise fördert die Umweltlotterie Bingo Projekte immer nur einmal. Und Projekt Nummer eins für den insularen Bürgerbusverein war der Mercedes Sprinter, der im September 2002, durch Erträge der Umweltlotterie zur Hälfte gefördert, seine Fahrt hatte aufnehmen können.
Das sei jetzt aber das letzte Mal, steht klipp und klar im Förderbescheid. Doch erst einmal können sich die Fehmaraner freuen – und der Bürgerbusverein aufatmen.
So trägt „Bingo“ die Hälfte des Anschaffungspreises, der mit 24 000 Euro zu Buche schlägt. Die andere Hälfte hat der Bürgerbusverein selbst getragen. Der Löwenanteil des zugeschossenen Eigenkapitals stammt aus dem Verkauf des Mercedes-Busses.
Ein weiterer Geldgeber im Zusammenhang mit dem neuen Fahrzeug ist der Kreis, der fünf Jahre lang einen Zuschuss für Unterhaltung und Auslagen beisteuern und somit für den Betriebsablauf des 9-Sitzers geradestehen wird.
Ein neuer Bus und selbst im elften Jahr des Bürgerbus-Projektes immer wieder noch steigende Fahrgastzahlen, die im August dieses Jahres sogar erstmals die 2 000er-Marke geknackt hatten, so Beate Burow – all das beflügelte den 1. Vorsitzenden des Bürgerbusses Fehmarn beim sonnabendlichen Empfang. „Diese Linie ist auf Fehmarn nicht mehr wegzudenken“, so Manfred Harländer, der dem neuen Bus, der bereits seit Kurzem im Einsatz ist, und den derzeit 25 Fahrern allzeit gute Fahrt wünschte. Auf dass das Fahrzeug mehr auf der Straße als in der Werkstatt sei – was von seinem Vorgänger nur bedingt behauptet werden konnte. Mit dem Fahrzeug habe es jede Menge Ärger gegeben, erinnerte sich Manfred Harländer nur ungern, nicht eine Reparatur sei über Kulanz abgearbeitet worden. X-mal sei die Schiebetür kaputt gewesen, habe repariert werden müssen, der Sitz, dieses und jenes..., monatelang habe es gedauert, bis eine immer abschlägige Antwort entsprechender Servicegesellschaft mit Sitz in Holland eingetroffen sei.
Mehr Service und einen niedrigeren Verbrauch erhofft sich der Bürgerbusverein Fehmarn. An der Schraube der exorbitant gestiegenen Dieselpreise kann der Bürgerbusverein zwar auch nicht drehen, steuert aber in den Wintermonaten mit einem gesonderten Fahrplan gegen.
Im vergangenen Jahr ist der Bürgerbus erstmals auf Anrufbasis gefahren. Das soll auch ab dem 1. November bis zum 13. April 2009 der Fall sein, wenn der Bürgerbus als „Anruf-Bus“ nur noch auf Vorbestellung unterwegs sein wird. Montags, mittwochs und freitags werden im Winter Touren vom Bürgerbus gefahren. Fahrgäste werden gebeten, sich unter 0 43 62/ 9 05 25 bei der Anrufbus-Zentrale zu melden. Dort werden Start und Ziel, Wunschabholzeit oder -ankunftszeit der gewünschten Fahrt entgegengenommen. Die Anmeldung der Fahrt sollte mindestens eine halbe Stunde vor dem gewünschten Fahrtantritt erfolgen. Der Fahrgast wird dann innerhalb des vom Bürgerbus bedienten Gebietes zu jedem gewünschten Ort gebracht.
Schon im vergangenen Jahr hatte sich der Bürgerbusverein für die Anruf-Variante im Winter entschieden, um bei steigenden Benzinpreisen unnötige Leerfahrten zu vermeiden. Ein in 2007 zusätzlich zum Anruf-Modell eingebautes Zeitfenster, in dem genau nach Fahrplan gefahren wurde, hatte vielleicht „für Hemmnis gesorgt“, wie Vorsitzender Manfred Harländer am Sonnabend einräumte.
„Wir wollen fahren, nicht im Keller sitzen“
Wenigere Buchungen hätten jedoch auf der anderen Seite dafür gesorgt, dass zwei Drittel weniger Kilometer verfahren worden seien, was sich dahingehend positiv auf die Kosten ausgewirkt habe. Jetzt will der Bürgerbus im Winter die Linie flexibler bedienen.
Die Wintermonate sind mit einigen Fahrern nicht zu machen. Denn im Winter sitzen die Fahrer, die jeweils eine drei-Stunden-Schicht haben, in einem Kellerraum des Verwaltungsgebäudes Fehmarn und warten dort auf die von der Anrufbus-Zentrale eingehenden Fahrgastwünsche. „Wir wollen fahren, nicht drei Stunden lang im Keller sitzen“, hätten einige Fahrer gesagt, so Manfred Harländer, im Frühjahr seien sie dann aber wieder dabei gewesen.
Sie wollen fahren. Für die Bürger von Fehmarn. „Aber von der Inselbevölkerung können wir schon gar nicht leben“, so Manfred Harländer. Der Bürgerbus steuert in den Sommermonaten auch zehn Campingplätze und das Wasservogelreservat Wallnau an. Dabei möchten oftmals auch mehr als acht Fahrgäste, die der Bürgerbus befördern darf, mitgenommen werden.
„Wir hatten versucht, einen 15-Sitzer zu bekommen“, so Manfred Harländer, aber mit den Personenbeförderungsscheinen, die jeder Fahrer des Bürgerbusvereins Fehmarn hat und die alle fünf Jahre zu erneuern sind, dürfe nur ein 9-Sitzer gefahren werden, so Harländer. Bis der „Lack ab ist“, vom jetzt neuen T5, vergehen erfahrungsgemäß round about fünf Jahre. Bis dahin hofft der Bürgerbusverein so weit zu sein, „dass wir uns den Bus selbst erlauben können – mit Unterstützung der Banken, so Manfred Harländer.
Vor zehn Jahren habe man sich noch skeptisch gefragt, ob sich der Bürgerbusverein in dieser Form werde tragen können, so stellvertretender Bürgermeister Werner Ehlers in seinem Grußwort. „Sie haben die Skeptiker eines Besseren belehrt“, so Ehlers, der im Bürgerbus ein gutes Angebot zum auf der Insel mauen Nahverkehr sieht.
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