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Kieler Nachrichten vom 07.11.2005
Zum Busticket gibt‘s Kaffee
Auf Fehmarn fahren „Bürger für Bürger — Sonst wären hier Busse Mangelware
Burg/a. Fehmarn —
Wenn Beate Burow durch die Straßen von Burg auf Fehmarn läuft, kann sie auf
der Suche nach einem Busfahrer sein. Getreu dem Motto „Bürger fahren für Bürger“ sucht sie dann nach einem Fahrer. Alle arbeiten ehrenamtlich und lassen sich gerne auf die Einsatzliste der lebhaften Mittvierzigerin setzen.
Klaus Kellner ist einer dieser Mitbürger, die für Mitbürger fahren. Seit 2003 ist er pensioniert. Früher war er auf der Vogelfluglinie auf „dicken Pötten“ unterwegs, beim Bürgerbus sei nun alles „eine Nummer kleiner“, so der Ex-Kapitän. Mit Beginn des Winterfahrplans schiebt er zwei- bis dreimal pro Woche eine Zwei Stunden Schicht. Insgesamt gibt es 21 Bürgerbusfahrer. Ihr Engagement macht es möglich, auch den ländlichen Raum auf Fehmarn mit öffentlichem Nahverkehr teilweise zu versorgen. Genau diese Unterversorgung war auch der Grund für die Schaffung eines Bürgerbusses vor zehn Jahren.
Eine kleine, aber agile Fraktion von engagierten Bürgern wollte sich damit nicht so einfach abfinden. Neun von ihnen gründeten 1997 den Verein „Bürgerbus Fehmarn“. Vorbild war dabei ein bereits 1990 im Kreis Segeberg begonnenes Projekt.
Das Konzept ging auf: Der am 19. Mai 1997 gestartete Bus hatte bereits im zweiten Jahr den 1000. Fahrgast. Und das im umgebauten Fiat-Scudo Achtsitzer. Auch im neuen Jahrtausend stiegen die Fahrgastzahlen kontinuierlich. 2001 begrüsste man den 10000. Passagier im Juli 2004 war es der 30000. Fahrgast.
Fünf verschiedene Strecken befährt der Bus im Sommer von Montag bis Freitag dreimal täglich, von Staberdorf im äußersten Südosten bis Strukkamphuk nahe der Beltbrücke.
Da lässt man den eigenen Wagen gerne stehen. Schon drei bis vier Stunden Parken in Burg entsprächen nämlich dem Preis eines Bürgerbustickets von derzeit zwei Euro, sagt Kellner. „Und für das Ticket bekommen sie auch noch eine Tasse Kaffee gratis im Kaufhaus Stolz“, schmunzelt der freiwillige Busfahrer. Das Kaufhaus ist einer der 13 Sponsoren, die das Projekt finanziell unterstützen.
Kellner steht mit dem Bus, inzwischen ist es ein neunsitziger Mercedes-Sprinter, zur Abfahrt auf dem „Niendorfer Platz“ im Zentrum Burgs bereit. Es ist Herbst, die große Feriensaison vorbei. Zur Abfahrt um 14.30 Uhr lässt sich an der zentralen Abfahrts- und Endhaltestelle kein Fahrgast blicken. „Wird wohl heute ganz ruhig, vielleicht ein paar „Stammgäste“, kommenentiert Kellner den Anfang seinee Nachmittagstour.
„Wir versuchen, gezielt auf die Wünsche unserer Fahrgäste zu reagieren“, sagt Beate Burow. Deshalb behalte man in Winterfahrplan auch stets der Mittwoch bei, wenn in Burg Markt ist. Mehr als drei Tag Fahrdienst kann allerdings der Bürgerbus im Winter nicht anbieten. Dann gibt es auch kaum noch Probleme, einen Busfahrer zu finden, erzählt Beate Burow. „Falls aber doch mal alle Stricke reißen sollten dann muss mein Mann mit ran!“ Auch der steht nämlich auf ihrer Liste.
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